FEBRUAR 06
Radio Radikal: Deutschland - Keine Gute Idee...
"Deutschland - Keine gute Idee...", das ist der Name der Gegen-Kampagne zu "Deutschland - Land der Ideen". Beim "Land der Ideen" geht es um den Standort Deutschland, ein nationales Konkurrenzdenken soll gefördert werden, man soll sich mit Deutschland identifizieren und stolz darauf sein, ein Deutscher zu sein. So kann man beispielsweise "offizieller Fan von Deutschland" werden.
Bei "Deutschland - Keine gute Idee..." kann man hingegen offiziell kein Fan von Deutschland werden.
In der Sendung möchten wir einige Kritikpunkte am "Land der Ideen" vorstellen und für ein internationales Bewusstsein werben.
Sendetermin: Di., 07.02.2006, 21:04 im Bürgerfunk auf Antenne Münster (95,4)
mehr Infos unter www.keine-gute-idee.de
Interview mit Felix aus dem Landesvorstand zur Kampagne "Deutschland - Keine gute Idee..."
Ich telefoniere jetzt hier mit Felix Wiese aus Wuppertal. Hallo Felix!
Hallo!
Du bist im Landesvorstand der JungdemokratInnen / Junge Linke NRW.
Das ist richtig.
Kannst du uns etwas erzählen über die Kampagne "Deutschland – Keine gute Idee..."?
Ja, kann ich gerne tun. Nach der Kampagne "Du bist Deutschland" mit der wir ja in den letzten Monaten über alle Medien zugebombt wurden, und die vor allem von Medienkonzernen und anderen Großunternehmen getragen wurde, gibt es jetzt ohne Atempause direkt die nächste. Die heißt "Deutschland – Land der Ideen" und wurde diesmal von unserer neuen Bundesregierung ins Leben gerufen, wird aber natürlich wieder von Banken und Konzernen gepuscht. Hier macht sich eine beängstigende rechte Tendenz bemerkbar, den Bürgerinnen und Bürgern Patriotismus und Nationalstolz einimpfen zu wollen. Deshalb haben wir uns als Gegenkampagne "Deutschland – Keine gute Idee..." überlegt.
Und was unternehmt ihr da konkret?
Wir haben zu dem Thema eine Homepage aufgemacht, auf der man sich eintragen kann. Das hat folgenden Hintergrund, dass auf der Homepage von "Deutschland – Land der Ideen" man sich als Fan von Deutschland eintragen kann mit einer Begründung. Wir setzen dem entgegen, dass man sich bei uns eintragen kann als kein Fan von Deutschland, ebenfalls mit einer Begründung. Das ist so eine der Aktionen, die wir versuchen, dem entgegenzusetzen.
"Land der Ideen" hört sich doch zunächst ganz positiv an. Oder hast du etwas gegen Forschung und Innovation?
Forschung und Innovation sind dann feine Sachen, wenn sie so eingesetzt und freigesetzt werden, dass möglichst alle etwas davon haben. Hier ist der Witz aber, dass vor allem mit dem Begriff "Innovation" oft gar nicht mehr die Entwicklung neuer Technologien gemeint ist, sondern die Senkung von Unternehmenssteuern auf Kosten der breiten Bevölkerungsmehrheit. Die bringt dann angeblich die Innovation, weil es ja dann für die Konzerne attraktiver wird, sich am sogenannten Standort Deutschland niederzulassen. Standort Deutschland – damit sind wir nämlich direkt beim zweiten und eigentlich noch schlimmeren Problem: Land der Ideen – damit ist nicht etwa gemeint, dass gute Ideen gebraucht werden um die Gesellschaft insgesamt zu verbessern. Sondern die Ideen sollen in den Dienst der Bundesrepublik Deutschland gestellt werden, um – wie es von ArbeitgeberInnenverbänden und SpitzenpolitikerInnen von Merkel bis Lafontaine immer wieder so schön heißt – "unser Land nach vorne zu bringen‘". Der Mensch soll sich dem Land unt erordnen und seine Fähigkeiten in dessen Dienste stellen.
Das ist klar rechtes Gedankengut, dem wir ganz entschieden entgegentreten müssen. Als JungdemokratInnen / Junge Linke haben wir uns deshalb bemüht, dem ein positives Ziel entgegenzusetzen: Wir wollen eine Welt der Ideen! Wir wollen Ideen nicht für die 80 Millionen Menschen, die in Deutschland leben und alle anderen ausgrenzen, sondern wir wollen Ideen für alle mittlerweile über 8 Milliarden Menschen, die auf der Welt leben.
Bezieht sich die Gegenkampagne "Deutschland – Keine gute Idee..." nur speziell auf Deutschland?
Die bezieht sich natürlich nicht nur speziell auf Deutschland, denn ob österreichischer, deutscher, italienischer, US-amerikanischer oder sonst irgendeine Art von Nationalismus, bleibt Nationalismus. Das Furchteinflößende an der Sache ist, dass neoliberale Regierungen anderer Länder mit genau den gleichen Mitteln arbeiten Auch hier wird versucht, mit Hilfe von – ja, ich denke man kann das fast Vaterlandsliebe nennen – versucht wird, die Menschen gefügig zu machen für Kürzungen im sozialen Bereich, für Demokratieabbau, für Bildungsabbau. Denn das Ganze passiert ja im Dienste des jeweiligen Landes, und so wir allmählich versucht, die Länder gegeneinander auszuspielen und bei den Bevölkerungen eine Identifikation mit dem Land zu entwickeln, Patriotismus wieder zu entwickeln, wie es ihn ja früher heftiger gab – wir erinnern uns – und wir müssen uns aber eigentlich, denke ich, bemühen, zu erkennen, dass diejenigen, die zusammenhalten müssen, vor allen Dingen diejenigen sind, die von Sozialabbau betroffen sind – in allen Ländern. Die müssen zusammenhalten, nicht die Bevölkerungen einzelner Länder gegeneinander.
Ja, dann vielen Dank für das Interview!
Bitte, bitte.
Und auf Wiedersehen.
Auf Wiedersehen!